Fünf Jahre MEZ! 5. Oktober 2013 – 5. Oktober 2018

von Marianna Schauzu

Ein Gespräch zwischen den Gründern des MEZ, Marianna Schauzu (M.S.) und Andreas Wehr (A.W.)

A.W.: Marianna, Du hast ja leider an der Eröffnung vor fünf Jahren nicht teilgenehmen können. Warum eigentlich nicht?

MS: Es war damals für mich unglücklich gelaufen (und das im wahrsten Sinne…). Der Plan war: Nachtflug aus Accra und dann am nächsten Tag die Eröffnung vorbereiten. Doch stattdessen musste ich zur Notaufnahme des Krankenhauses Westend gebracht werden. Die Diagnose lautete: komplizierter Fußgelenkbruch, den ich mir in einer der unbeleuchteten Straßen Accras zugezogen hatte. In der Folge fiel ich für längere Zeit aus.

AW: Ja, es war am Anfang eine schwierige Zeit. Ich arbeitete damals noch in Brüssel. Nur dank der Unterstützung von Freunden konnten wir überhaupt Veranstaltungen im MEZ durchführen. Aber wie waren wir überhaupt auf die Idee gekommen, das MEZ zu gründen?

MS: Wir standen ja beide vor der Frage: was tun nach Beendigung unseres geregelten Berufslebens. Für mich endete es im Februar 2014, und Du bist erst Anfang 2015 aus Brüssel zurückgekehrt.

Ich hatte in den Jahren zuvor bereits in der Partei DIE LINKE Charlottenburg-Wilmersdorf Diskussionsveranstaltungen organisiert. Zusammen mit ehemaligen WASG-Mitglieder gründete ich dafür den Sozialpolitischen Arbeitskreis (SAK). Wir trafen uns monatlich im Hinterzimmer des Terzo Mondo. Schon diese Räumlichkeit war nicht sonderlich attraktiv. Auch bekamen wir keinerlei Unterstützung vom Bezirksvorstand der Linkspartei. Hinzu kam, dass sich im SAK überwiegend Parteimitglieder trafen, die die Informationsveranstaltungen – wie in Parteien leider nun einmal üblich - nur zu ihrer Selbstdarstellung und Profilierung nutzten. Nicht selten trat man auch ziemlich respektlos gegenüber Referenten auf. Die Situation war also recht unbefriedigend. Und so kam uns die Idee, ein von der Linkspartei unabhängiges Bildungszentrum einzurichten, was nicht ganz einfach war: Du in Brüssel, und ich immer wieder auf Dienstreisen.

Die Umsetzung unseres Plans nahm dann auch gut eineinhalb Jahre in Anspruch. Eine geeignete Räumlichkeit musste gefunden werden, anschließend musste sie umgebaut und eingerichtet werden.

AW: Nach den Erfahrungen mit der Linkspartei wollten wir eine nicht partei-gebundene Begegnungsstätte schaffen, in der politische Themen aufgegriffen werden, die in der gesellschaftlichen Linken gar nicht oder nur unzureichend diskutiert werden, auch an Schulungen hatten wir damals gedacht. Ich finde, unser Konzept ist insgesamt aufgegangen, oder?

MS: Das finde ich auch! Seit Oktober 2013 haben wir 147 Veranstaltungen mit 120 Referenten durchgeführt. Darunter waren 100 Abendveranstaltungen, 28 Seminare, acht Schulungskurse, acht Filmvorführungen, zwei Exkursionen im Kiez und eine Lesung. Insgesamt hatten wir bislang etwa 930 Besucher, von denen ca. 370 mehrfach bei uns zu Gast waren.

AW: Auch unser Newsletter hat sich gut entwickelt: Gestartet waren wir im Dezember 2013 mit 369 Abonnenten, im September 2018 wurde er bereits an 776 Personen versandt, das ist mehr als eine Verdoppelung! Pünktlich zum Geburtstag können wir nun unsere neue, völlig überarbeitete Website online stellen, und auch der Newsletter erscheint nun in neuem Gewand. Unsere Texte sind so endlich auch auf Smartphones und Tablets gut lesbar.

MS: Und wir haben natürlich Pläne für künftige Veranstaltungen.

AW: Ja, wir werden auch in Zukunft kontroverse Themen aufgreifen, etwa zu Migration, Nation, Rechtsentwicklung und Krise der Linken. Wohin es gehen soll haben wir in unserer neugefassten Erklärung „Über das MEZ“ deutlich gemacht. In Zeiten, in denen „Die Linke fehlt…“, wie es Domenico Losurdo formuliert hat, ist ein MEZ umso notwendiger. Und wir machen die damit verbundene Arbeit auch nach fünf Jahren immer noch gern, nicht wahr?

MS: Stimmt! – Vor allem weil wir von unseren Besuchern viel positive Resonanz bekommen: Gelobt wird etwa die Einrichtung der Räume, die gute Atmosphäre und die Diskussionskultur, auch die Themenwahl kommt gut an. Bei uns wird genau zugehört und sachlich diskutiert. Niemand sucht während der Veranstaltung auf seinem Smartphone oder Tablet nach Informationen oder verschickt Nachrichten, wie oft in Sitzungen der Partei Die Linke zu beobachten.

AW: Wir sind davon überzeugt, dass auch im Zeitalter von Facebook und Twitter der direkte persönliche Austausch wichtig bleibt, ja entscheidend ist. Das Stichwort dafür lautet: analog statt digital. Es gibt ein enormes Bedürfnis nach Kommunikation, und so gehen nach Ende der Veranstaltungen die Diskussionen weiter, nicht selten sogar noch auf der Straße vor dem MEZ. Das Zentrum wird also gebraucht, auch deshalb machen wir weiter.

MS :… und das so lange wir es können!

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