Sabotage an der eigenen Partei

Marianna Schauzu & Andreas Wehr

Sabotage an der eigenen Partei

In ihrem Artikel „Von Wagenknecht und Brecht“ hat sich Marianna Schauzu auf Telepolis mit dem neuen Buch von Sahra Wagenknecht „Die Selbstgerechten“ auseinandergesetzt. Hier ihr Text. In einem der Kommentare auf Telepolis hieß es dazu: „Heute Nacht habe ich geträumt, die SPD hätte der Linken ein Angebot gemacht, Sahra Wagenknecht aus ihrem Vertrag herauszukaufen (für eine Rekordsumme!), um dann mit ihrem Programm und ihr als Spitzenkandidatin grandios die Wahl zu gewinnen.“

„Ein seltsamer Traum“ war der Kommentar überschrieben. Und das ist er auch. Denn die schon lange neoliberal gewendeten deutschen Sozialdemokraten denken nicht einmal im Traum daran, Wagenknecht zu ihrer Spitzenkandidatin zu machen. Lieber verlieren sie erneut die Bundestagswahlen, diesmal unter dem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Er ist einer der letzten Politiker der Ära Schröder, und beim SPD-Mitgliedervotum wurde er von den eigenen Genossinnen und Genossen nicht einmal zum Parteivorsitzenden gewählt.     

Doch warum stellt die Partei DIE LINKE nicht ihr Mitglied Wagenknecht als Spitzenkandidatin auf? Schließlich ist sie doch ihre mit Abstand bekannteste und beliebteste Politikerin. Im Beliebtheitsranking belegt sie stets einen der führenden Plätze – eine Zeitlang sogar vor Angela Merkel! All das beeindruckt aber offensichtlich nicht die derzeitige Parteispitze. Im Gegenteil: In einer Negativkoalition haben sich dort kulturalistische Linke mit Kräften, die die friedenspolitischen Positionen der Partei aufweichen wollen, und trotzkistische Sekten zusammengetan, um vor allem eins zu erreichen: Sahra Wagenknecht und ihre Positionen dauerhaft auszugrenzen. So sollte sogar verhindert werden, dass sie in Nordrhein-Westfalen wieder auf Platz eins der Liste für die Bundestagswahlen kommt. Das war nichts anderes als versuchte Sabotage an der eigenen Partei!

Ganz gewiss findet diese sektiererische Politik in der Mitgliedschaft keine Mehrheit. Könnte sie entscheiden, so hieße die Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht. So aber geht man mit Janine Wissler in den Wahlkampf, eine Kandidatin, die dem trotzkistischen Milieu entstammt und auf Bundesebene so gut wie unbekannt ist. Neben ihr steht Dietmar Bartsch. Er hat bereits mehrfach gezeigt, wie man Wahlen verliert, so etwa bei den Bundestagswahlen 2002. Mit ihm als einem der Spitzenkandidaten erreichte die damalige PDS nur knapp vier Prozent. Anschließend war sie für vier Jahre nur noch mit Gesine Lötzsch und Petra Pau im Bundestag vertreten - beide hatten ihre Direktmandate gewonnen. Heute, 19 Jahre später, ist Bartsch erneut Spitzenkandidat – ein böses Omen.       

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